Minimise it! Was treibt die Automobilbranche an, ihre Logos zu verschlanken?

„Weniger ist mehr!“ scheint momentan das Motto der Automobilbranche zu sein. Zumindest, wenn es um die eigenen Logos geht. Denn immer mehr Automobilhersteller folgen dem Trend, ihren eigenen Look zu minimalisieren. Ist euch das auch aufgefallen? Warum ist das so? Unsere Expertin Hilla Neske ist der Sache mal auf den Grund gegangen.

Als Creative Director beschäftigt sie sich seit Jahren intensiv mit digitaler Corporate Identity, visueller Markenbildung im Netz, Web- und Produkt-Design und verfolgt voller Begeisterung aktuelle Design-Entwicklungen auf dem Markt.

Hilla Neske, Creative Director

Lesedauer: 4 Minuten

Bildquelle: thenewswheel.com/behind-badge-history-future-of-vauxhall-griffin-emblem

So unterschiedlich die Automobilhersteller auch sind – eines haben sie gemeinsam: Logos im Flat Design

Zuletzt war es die britische Automarke Vauxhall, die im September 2020 ein flacheres Logo enthüllt hat und somit dem Trend einer minimalistischeren Darstellung folgt: ein selbstbewusster britischer Look, der das ursprüngliche Greif-Symbol überarbeitet und neues Farbschema einführt. Am auffälligsten ist dabei jedoch die neue „Flatness“, das flache Styling, also eine vereinfachte Version des bisherigen 3-D-Looks. Der Hersteller selbst nennt dieses Redesign übrigens das „progressive Gesicht der Marke“.

Das Symplifying des Logos ist typisch für das, was im Auto-Branding gerade so vor sich geht. Ein Trend, den Audi 2018 mit einem minimalistischen Rebranding startete, und welchem die anderen großen Hersteller schon bald folgten: Volkswagen, BMW, Toyota und Nissan – allesamt gingen kurz darauf mit flachem Logo ins Rennen.

Bildquelle: www.motor1.com/features/369759/vw-logo-history

Mit Simplicity bereit für die digitale Zukunft?

Aber warum das alles? Ein Grund für eine minimalistischere Erscheinung ist sicherlich, eine Corporate Identity (CI) zu erschaffen, die für die digitale Welt gerüstet ist. Denn durch das Redesign eines Unternehmenslogos in ein Flat Design-Logo lässt es sich besser an die Anforderungen unterschiedlichster Plattformen anpassen, und ein Wiedererkennungswert für die Marke wird gewährleistet.

So demonstrierte VW mit der Enthüllung seines verschlankten Logos gleich mal eine strategische Neuausrichtung und läutete nebenbei eine ganz neue Ära ein: die Ära der Elektrofahrzeuge. Der ID.3 ist nämlich das erste VW-Serienfahrzeug einer neuen Generation vollelektrischer Fahrzeuge und zugleich das erste Modell, das das neu gestaltete Logo des Unternehmens trägt. Die Intention dahinter: VW will so die „elektrische Zukunft“ begrüßen!

 

Die Evolution des VW-Logos: Volkswagen hat sein Logo mit Chromeffekten durch ein flaches, „digitales“ visuelles Markenzeichen ersetzt.

Bildquelle: www.carlogos.org/car-brands/toyota-logo.html

Fast zeitgleich präsentierte übrigens Nissan seinen neuen Look – während der Vorstellung eines rein virtuellen Autos. Und auch Toyota hat erkannt, dass eine CI unter den aktuellen digitalen Bedingungen flach, funktional, nahbar, reduziert, reaktionsfähig und flexibel sein muss. Deshalb entschied sich der Automobilhersteller im Juni 2020 ebenfalls für einen Design-Relaunch. Die Begründung: Man wolle nach „vorne gerichtet“ und besser an mobile Plattformen angepasst sein. Der Schlüssel zu diesem Projekt: die Markenidentität nicht einfach nur auf den neuesten Stand zu bringen, sondern sie für die kommenden Jahre vorzubereiten.

Und auch BMW verfolgt das Ziel, für die Zukunft gerüstet zu sein: „Mit visueller Zurückhaltung und grafischer Flexibilität“ will der Münchner Autohersteller für die vielfältigen Touchpoints in der Kommunikation gewappnet sein, an denen er in Zukunft online und offline präsent sein wird.

Bildquelle: webdesignledger.com/fun-history-windows-logo/?mc_cid=2cb4abc149&mc_eid=[UNIQID]

Ist die Simplifizierung der Logos nur ein Digitaltrend oder vielleicht auch eine Reaktion auf die sich so schnell verändernden Sehgewohnheiten?

Eins ist klar: Tagtäglich sehen wir im Web Hunderte von Logos – sei es in Social-Media-Kanälen oder auf anderen digitalen Plattformen. Flache Designs bieten dabei ein deutlich übersichtlicheres und klareres visuelles Erlebnis.

Sieht man sich die Entwicklungen von Firmenlogos an – von 3M über Windows bis hin zu Audi – fällt sofort auf, dass viele Company-Logos bereits in der Vergangenheit sehr einfach gehalten wurden, nur um sie im Laufe der Zeit komplexer, fast schon komplizierter, zu gestalten. Und jetzt die Entwicklung zurück zum Anfang! Es scheint, als hätte man eigentlich schon die ganze Zeit die Lösung parat gehabt.

 

Das Windows-Logo im Wandel

Bildquelle: logos.fandom.com/wiki/Pepsi#1940.E2.80.931962.2C_2014.E2.80.93present

Um die letzte Jahrhundertwende waren nahezu alle Logos flach. Mit dem Aufkommen der Apple Macs und Adobe Photoshop veränderte sich jedoch das Design der Embleme und wurde im Laufe der Zeit zunehmend dreidimensional.

Doch nun bringt die Digitalisierung ihre ganz eigenen „digitalen Bedingungen“ mit sich: Alles muss reduzierter und flexibler sein. So muss das Branding beispielsweise nach einer Vielzahl von Richtlinien funktionieren – von Barrierefreiheit und Lesbarkeit von Schriften bis hin zu schneller Ladezeit. Wenig Raum also, um verschnörkelt, kompliziert und kleinteilig zu sein. Die aktuelle Design-Ästhetik setzt auf reduzierte, plakative Elemente – optimiert für die digitale Welt.

 

Die Entwicklung des Pepsi Logos (Ausschnitt)

Bildquelle: www.bmw.com/de/automotive-life/bmw-logo-bedeutung-geschichte1.html

Das nach 20 Jahren neu gestaltete Logo von BMW

Klar ist auch, dass sich die Automobilindustrie in einem dramatischen Wandel befindet – Elektrifizierung, neue Anbieter im Mobilitätsmarkt, wenig Absatz im urbanen Umfeld. Das bedeutet, Automobilhersteller wie VW, Nissan und Toyota erleben momentan eine Disruption in ihren traditionellen Märkten und müssen so anpassungsfähig wie möglich sein. Und dabei möchten die Unternehmen als digitale Vorreiter gesehen werden, als Visionäre, die über zukünftige Mobilitätslösungen nachdenken und neue Dienstleistungen jenseits der Mobilität anbieten. Um diese Vision zu schaffen, braucht es eben auch neue digitale Looks.

Über Hilla

Hilla ist Designerin mit Leib und Seele – mit einer besonderen Leidenschaft für Typografie, Illustration und funktionales Grafikdesign. Inspiration für ihre Arbeit findet sie in Kultur und Architektur, und sie verpasst keine aktuelle Design-Ausstellung. Dafür reist sie auch gern mal in die Metropolen dieser Welt – sofern möglich.

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Nancy Forner
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