Wie Hackathons in der Krise helfen können

Nataliia Khodiakova ist Software-Entwicklerin bei Ray Sono und hat schon an vielen Hackathons teilgenommen. Gerade erst hat sie selbst einen organisiert: den Ray Sono Hackathon 2020. Als Expertin erklärt sie, wie Hackathons Unternehmen gerade in Krisenzeiten schnelle und innovative Problemlösungen bieten.

Collage Hackathon

Derzeit macht sogar die Bundesregierung Hackathons, Stichwort #WirVsVirus. Sind Hackathons ein gutes Tool für die Krisenbewältigung?

Ja, sie sind perfekt dazu geeignet! Was Krisen-Hackathons ausmacht, ist das Bewusstsein der Teilnehmer darüber, wie wichtig das Ziel ist. Man arbeitet nicht nur zum Spaß, sondern produziert etwas wirklich Bedeutendes, das drängende Probleme löst und einen Impact hat.

Wie laufen Hackathons genau ab?

Kleine Teams arbeiten in einem kurzen Zeitrahmen an einer Lösung, von der Idee bis zur Umsetzung. Ziel ist die Kreation eines Prototyps , der die Idee verdeutlicht und als konzeptioneller Beweis einer These funktioniert. Die Teams vereinen Experten aus verschiedenen Bereichen, wie Frontend, Backend, Mobile, oder auch Content, Design und UX/UI. Dabei gibt es zwei Ansätze: Entweder mit einer konkreten Problemstellung starten oder den Teams die Freiheit geben, selbst ein Problem zu identifizieren und zu lösen.

Wie können Hackathons in der jetzigen Krise Unternehmen konkret helfen?

Wir müssen für jedes Problem, das jetzt in der Krise auftaucht, eine Lösung finden. Das mag für den einen eine Remote-Arbeits-Methode sein, für den anderen sichere und schnelle Krisenkommunikation, Mitarbeiter-Koordination, Ressourcenplanung, Lieferoptimierung oder Online-Socialising. Mit Hackathons lassen sich innovative, kreative und überraschende Lösungsansätze finden. Zeitgleich werden drei, vier Ideen getestet und diejenige umgesetzt, die am besten passt. So kann in wenigen Tagen z.B. eine neue Web-Anwendung, eine Funktion für einen Online-Shop, eine Microsite oder eine kleine mobile App entstehen.

In Zeiten von Social Distancing können die Teams für einen Hackathon nicht an einem Ort zusammenkommen. Wie funktioniert das virtuell?

Genauso gut. Es gibt eine Reihe praktischer Tools für digitale Teamarbeit, mit denen sich Hackathons auch problemlos standortübergreifend durchführen lassen. Slack, Microsoft Teams oder Google Hangouts für die Kommunikation und Abstimmung miteinander. Für das Dokumentenmanagement Teams oder Google Drive. Für Brainstormings virtuelle Whiteboards wie Mural oder Miro. Workflows und To Do‘s lassen sich mit Kanban Boards wie Trello gut organisieren. Die Mischung macht’s. Am Ende entscheidet das Team über das beste Set-up nach seinem Bedarf.

Du hast ja schon an einigen Hackathons teilgenommen und organisierst die Hackathons bei Ray Sono. Wie macht man das?

Ich hätte nicht gedacht, dass man bei der Organisation so viel berücksichtigen muss. Zum Beispiel die Development-Umgebung: Da der Hackathon nur für unsere Ray Sono-Entwickler organisiert wurde, haben wir unseren Mitarbeitern das Open Source-System Kubernetes Cluster zur Verfügung gestellt. Teams konnten die Projekte schon produktiv deployen und nicht nur auf dem Laptop zeigen.

Mein Co-Organisator Jan und ich haben während des Hackathons nicht nur technischen Support gemacht, sondern auch ein kleines Projekt entwickelt. Es heißt Raymoji und kam bei der finalen Präsentation zum Einsatz: Eine Kamera hat die Gesichtsausdrücke der Jury analysiert und kalkuliert, wie oft sie glücklich, traurig, verärgert oder angespannt waren. Am Ende stimmten die Ergebnisse von Raymoji und die Bewertungen der Jury überein. Emotion Recognition haben wir mit Amazon Web Services gemacht, aber da Ray Sono sich jetzt in Richtung Machine Learning und KI entwickelt, benötigen wir diesen Service nicht und können eine Ray Sono-eigene Lösung bauen.

Welches Projekt hat den Hackathon gewonnen?

Das Projekt „Happy Ray“. Das Team hat „Happiness-Level“ in der Firma gemessen und analysiert, ob Luftqualität, Wetter oder Tageszeit einen Einfluss auf die Stimmung haben. Die Idee einer „Happiness-Messung“ war ganz neu und das Projekt hat die komplette Bandbreite an Technik abgedeckt: Mobile, Frontend, Backend, IoT und Machine Learning.

Wenn ich jetzt mein Problem mithilfe eines Hackathons lösen möchte – was tun?

Schreib uns! Wir wissen, worauf es bei Hackathons ankommt, und unterstützen gern mit unserer Expertise – natürlich auch bei Remote Hackathons. Zusammen erarbeiten wir die Zielsetzung, legen Schwerpunkte und Tools fest und finden garantiert die passende Lösung.

Nathaliia Khodiakova