Was uns die SXSW über die Zukunft verraten hat

So schmeckt Zukunft schon heute: Essen aus dem 3D Printer, personalisiert durch das Auslesen meiner DNA – und bestellt mit meiner Stimme.

Die größte und wichtigste Digitalmesse der Welt liegt hinter uns, und die düstere Stimmung des Vorjahres ist verschwunden. An deren Stelle tritt ein Fortschritt, der in sämtlichen Lebensbereichen Innovationen vorantreibt – die relevanten Themenfelder werden noch zahlreicher und vernetzter.

Nach dem Hype: AI ist Werkzeug und Produktivitätstreiber

AI (oder: künstliche Intelligenz) hat ihren ersten Hype Cycle durchlaufen und trifft nun zunehmend auf die reale Welt. Schnittstellen und Services von IBM, Microsoft, Google und Co. haben in den letzten 365 Tagen massive Fortschritte gemacht. Es steht nicht mehr die Frage im Raum ob, sondern wie uns AI bei der Produkt- und Serviceentwicklung helfen kann. Dabei geht es nicht um Science-Fiction-Fantasien, sondern um praxisnahe, oft sehr spezifische Use Cases, wo komplexe Probleme mithilfe künstlicher Intelligenz hocheffizient gelöst werden: Denn im Kern macht AI Anwendungen schlauer, erleichtert die Personalisierung und ermöglicht hochkomplexe Abfragen.

Josh Clark betonte in seinem Vortrag " AI Is Your New Design Material" vor allem, dass uns künstliche Intelligenz bei zeitaufwendigen, repetitiven und fehleranfälligen Aufgaben unterstützt, damit wir uns wieder den wirklich wichtigen Dingen widmen können wie empathischer Kommunikation, strategischem Denken und Kreativität: „Let people do what they do best, let machines do what they do best“. Wer sich das Effizienzpotenzial von AI nicht zunutze macht, vergeudet mittelfristig seine wertvollen Ressourcen und hat im Wettbewerb das Nachsehen.

Mehr als Wetterbericht und Wecker stellen: Voice avanciert zum neuen Betriebssystem des Internets

Noch konkreter und bereits deutlich spürbar ist der sich radikal verändernde Umgang mit unseren Devices: Ob Smart Speaker, das Auto-Interface oder unsere mobilen Assistenten – wir werden in Zukunft mehr sprechen als tippen: Die Hälfte aller Interaktionen, die wir Ende 2020 mit einem Computer haben, werden laut FTI-Studie auf Voice-Eingabe basieren. Die wirklich spannende Frage lautet hier: Wie funktioniert Search in diesem rasant wachsenden Ökosystem? Wie wächst der Traffic, wie werden Inhalte ausgesteuert, welche Player treiben hier das Business?

Diese Fragen sind noch weitestgehend unbeantwortet, nur eines gilt als sicher: Ein noch nicht definiertes Ökosystem mit weitreichenden Konsequenzen für alle Industrien gilt es zu erobern. Das neue Stichwort lautet „Voice Search Optimization“, und es wird uns alle vor völlig neue Herausforderungen stellen – denn Inhalte, Produkte und Marken, die im neuen Voice-Betriebssystem des Internets nicht auffindbar sind, werden schlichtweg irrelevant.

Facebook ist tot, es lebe der Messenger

Ein weiteres Symptom für den Wandel hin zu einer personalisierten Beziehung zu Technologie: Die sozialen Netzwerke sterben. 44 Prozent der hochrelevanten Zielgruppe zwischen 18 und 29 Jahren haben laut einer PEW Research-Studie in den letzten zwölf Monaten die Facebook-App von ihrem Smartphone verbannt. Datenpannen, fragwürdige Geschäftspraktiken und unmoderierte Hate Speech haben nachhaltig das Vertrauen in die großen Netzwerke beschädigt. Übrig bleibt nur ein Gewinner: One-to-one-Kommunikation im Messenger. Das Internet mit all seinen Facetten (Information, Kommunikation, Konsum …) verlagert sich zunehmend in die Messenger-Dienste.

Mit über einer Milliarde täglicher (!) Nutzer zeigt WeChat in China bereits heute, wie sich die neue Evolutionsstufe des Internets anfühlt: WeChat-User bezahlen mobil mit dem Messenger, erledigen ihre Bankgeschäfte, bestellen Taxis, geben Restaurantbewertungen ab, konfigurieren sich ihren Neuwagen oder kaufen Kinotickets – und telefonieren, chatten und senden Voice-Messages kostenlos. So wie Facebook in den frühen 2010er-Jahren zum Betriebssystem des Internets avancierte, werden nun Messenger-Plattformen die Nutzerkommunikation prägen.

Mit Conversational Design wird die Buchungsstrecke der Zukunft modelliert

Alle drei Schlüsseltrends – One-to-one-Kommunikation im Messenger, Voice-Interaktion mit Produkten und Services und AI als Tool – greifen ineinander: Nutzer/-innen interagieren mit digitalen Technologien zunehmend direkt, sei es textbasiert im Chat oder per Sprache, um Devices zu steuern, Informationen zu finden, Produkte und Services zu kaufen und um in den direkten Dialog mit Marken zu treten.

Wer diese Entwicklung zu Ende denkt, merkt: Ohne die Hilfe von AI und Machine Learning ist die dialoggetriebene Buchungsstrecke der Zukunft auf breiter Front gar nicht zu realisieren. Dieser Herausforderung begegnen wir mit Conversational Design. Dabei wird es nötig sein, etablierte User Experience- und User Interface-Praktiken teilweise völlig neu zu denken, um die neuen Erwartungshorizonte unserer Kunden in sehr naher Zukunft sinnvoll bedienen zu können.

PS: Digitalisierung macht vor nichts halt – auch nicht vor dem menschlichen Körper

Paketlieferung per Flugdrohne, völlige Immersion durch AR/VR/MR und selbstfahrende Autos – alles schon mal gehört und gesehen. Jetzt dringt Digitalisierung in den menschlichen Organismus vor: Mikroskopisch kleine Bots fließen bereits heute durch die Blutbahn und melden sich jederzeit bei drohender Gefahr, sei es Stress oder ein anstehender Herzinfarkt. Das erste Computerspiel, das von drei Personen gleichzeitig nur durch die Kraft ihrer Gedanken gespielt werden kann, ist live. Und die eigene DNA befeuert die Hyperpersonalisierung von sämtlichen Lebensbereichen: Personalisierte Medikation macht nur den Anfang; in nächster Konsequenz kommen Lebensmittel aus dem 3D Drucker, die für den persönlichen Hormonhaushalt optimiert sind.

Digitalisierung auf dem Teller, im Körper, gesteuert via Sprache und unterstützt durch selbstlernende Cloud-AI im 5G-Netz. Zukunft ist heute – doch was bedeutet das für Ihr Geschäft? Lassen Sie uns gerne darüber sprechen. Wir sind bereit. Sie auch?

Sebastian Krüger, 23.04.2019